27 Okt

Über meine persönliche Wahrnehmung der Welt via Facebook

Mein Facebook-Stream vom 27.10.2015, 10-26 Uhr

Heute morgen beim Bäcker laß ich im vorüber Gehen diese Schlagzeile:

Schlagzeile TZ München vom 27.10.2015
Mal ganz abgesehen vom unfassbaren Leid, das wieder einmal über die Menschen in Afghanistan kommt, frage ich mich auch, wie es denn sein kann, dass ich bei meiner allmorgendlichen Facebook-Lektüre diese Nachricht verpasst habe. Oder habe ich sie womöglich gar nicht gesehen?

Schon denkbar, wenngleich ich die Facebook-Seite der Süddeutschen Zeitung abonniert habe. Obwohl ich zahlreichen Menschen folge, die ich als politisch einstufen würde (wenngleich sich mein Bild dazu vor kurzem ein wenig relativier hat). Ich selbst bezeichne mich auch als (gesellschafts)politisch interessiert, selbst wenn ich die SZ oder andere Blätter schon lange nicht mehr im Abo beziehe. Wozu Totholz, wenn es auch online geht.

Nun also, warum musste ich diese Erdbeben-Nachricht analog entdecken und nicht auf Facebook, wo ich doch alle Nachrichten der Welt bekommen kann? Da stellt sich mir schon die Frage, ob die Welt, so wie ich sie auf Zuckerbergs Social-Media-Plattform präsentiert bekomme, wirklich die Welt ist, wie sie sich da draußen darstellt.

Was mir schon lange klar ist, dass wir uns auf Facebook und anderswo in einer großen Filterblase befinden und bewegen, die so ihre ganz eigene Wahrnehmung hat. Die Verabschiedung der Vorratsdatenspeicherung? Interessiert offenkundig niemand da draußen. Safe Harbour? Safe wer? Das geklaute Sommermärchen? Ja, vielleicht, interessiert aber doch eher die Sportfans unter uns.

Was aber ist mit den wirklich richtigen News auf Facebook? Okay, Pediga und Co. werden hier durchdekliniert, bis es dir zu den Ohren herauskommt. Und die Flüchtlingsdebatte findet hier auch statt, wenngleich es meist keine Debatte, sondern im günstigsten Fall ein sich-die-Fakten-um-die-Ohren-hauen ist. Aber sonst? Findet hier im sozialen Netz wirklich das wahre Leben statt, das eine ganze Nation betrifft?

So oder so, entweder brauche ich andere Facebook-Kontakte oder ich sollte die SZ wieder abonnieren. Zumindest online.