16 Okt

Vom Glück, großzügig zu sein und sein zu können

Großzügig sein hat auch immer mit Geben wollen zu tunGestern Vormittag am Truderinger Busbahnhof: Aus dem Augenwinkel sah ich ihn schon auf mich zukommen. Junger Typ, vielleicht Anfang 30, rauchend. Und er hatte diesen „Haste mal ’ne Mark“-Blick. Und was wollte er? 80 Cent. Zum Telefonieren. Ja, nee, is‘ klar…

Ich war im ersten Moment eher defensiv eingestellt, weil ich dachte: „Geh doch zu jemand anderem, frag den doch nach seiner Kohle, laufen hier genug Leute rum!“. Aber dann meldete sich meine innere Stimme zu Wort und flüsterte mir ins Ohr: „Na komm schon, der hat bestimmt weniger als du, sei großzügig, teile mit ihm dein Geld.“

Da ich meinem inneren Ratgeber selten etwas abschlagen kann und meistens auf ihn höre, entschied ich mich also für die Geben-Variante, anstatt ihn wegzuschicken mit den Worten „Nee, du, sorry, ich habe gerade mein letztes Kleingeld für diesen Kaffee ausgegeben!“ (was ich schon erwidern wollte).

Und was soll ich sagen: Es fühlte sich sehr gut an, und der Typ war wider Erwarten echt dankbar. Darüber hinaus kamen wir noch ein wenig ins Plaudern. Über meinen Sony-Kopfhörer, über die viel zu teueren Beats-Pendants und über die Frage, ob es immer ein sauteures Smartphone sein muss.

Und was habe ich daraus gelernt? Nun, dass Geben seliger denn Nehmen ist (aber das wissen wir ja schon), dass Großzügigkeit etwas Großartiges ist und dass ich froh war, meinem ersten Impuls nicht gefolgt zu sein.

Und das man sich nicht immer Klischees leiten lassen sollte. Denn der 80-Cent-Mann steuerte nach unserem kurzen Gespräch schnurstracks auf die Münztelefone der Telekom zu. Um ein Ferngespräch zu führen. Hoffentlich mit einem lieben und großzügigen Menschen…