24 Okt

Warum hier ein Konzertbericht Platz hat

Disclaimer: All denen,  die aus einem ersten Impuls heraus sagen „Nee, so ein Konzertbericht hat auf einer Content-Marketing-Seite nichts verloren!“, rufe ich fröhlich zu: „Doch, hat er! Denn genau darum geht es bei gutem Content Marketing: Story Telling.

Gestern Abend war es also endlich soweit: Auf meinem wirklich guten Platz (wenngleich mich ein quer herunterhängendes Kabel ein wenig ärgerte) wartete ich mit großer Vorfreude auf „Il Maestro“, um ihm und seinen gesungenen Geschichten für mehr als zweieinhalb Stunden lauschen zu dürfen. Und es war wie immer eine große Freude. Und wie immer hat es mich tief berührt, wie dieser kleine, alte Mann (und das sage ich mit allem mir gebotenen Respekt) sein Publikum in seinen Bann zieht. Ich zumindest habe alles um mich herum vergessen und war eins mit seinen Liedern und dem Barden auf der Bühne.

Wie er da so steht, nur mit seiner schönen Gitarre behängt, spürt man förmlich seine Vorfreude, die aus ihm strömt, und man nimmt es ihm ab. Ohne jeden Zweifel, selbst wenn man weiß, dass er seinen Job hochprofessionell betreibt. Und so schafft es Reinhard Mey auch an diesem 23. Oktober des Jahres 2014, mich und die anderen Anwesenden im Circus-Krone-Bau zu verzaubern, auf seine Reise mitzunehmen. Und das gelingt ihm so vortrefflich, dass man wirklich meint, ihn zu kennen, ein Bekannter oder gar guter Freund zu sein, dessen Geschichten man kennt und die man immer und immer wieder hören will.

Viele bekannte und einige unbekannte Lieder waren dabei, die ich alle gar nicht aufzählen will. Bis auf zwei, da sie mich sehr bewegt haben. Das war zum einen die Hommage an seine alte Freundin Annabelle, die er 1972 zum ersten Mal sehr scharfzüngig und auch ein wenig despektierlich besungen hat. Und die er bei einem fiktiven Motorradunfall 1998 wiedertrifft, um auf diesem das damals Gesagte ein wenig gutzumachen. Oder, um es mit „Il Maestro“ zu sagen:

„Annabelle, diesmal machen wir zwei es richtig,
Ideologie ist diesmal nicht so wichtig!
Annabelle, wir hab‘n uns viel zu lang verkohlt.
Männer und Frau‘n passen vielleicht nicht zusammen,
Aber meine allerschönsten Schrammem
Habe ich mir in diesem Duell, Annabelle, bei dir geholt.“

Und dann war da noch „Dann mach‘s gut“, dieses traurige, traurige Lied, das er für seinen verstorbenen Sohn Max geschrieben hat. In dem es um Heimkehren geht, um verpasste Chancen, um Sprachlosigkeit und diesen Wunsch, noch einmal alles genauso zu erleben, wie man es jahrelang als selbstverständlich hingenommen hat. Da saß ich in meinem Klappstuhl und habe dicke Tränen geweint ob dieses unvorstellbaren Verlusts, den Reinhard Mey erleiden musste.

Denn gerade ich als Vater kann zumindest erahnen, was es bedeuten muss, ein über alles geliebtes Kind zu verlieren. Und das hat mir wirklich die Kehle geschnürt. Und so endete das Lied, wie es nicht besser enden konnte: Mit verhaltenem Applaus und einem ins Dunkel getauchten Mey.

„Ich würde mich etwas strecken, er würde sich etwas bücken.
Wenn er auftauchte noch einmal vor mir aus der Dämmerung
Hielt ich ihn mit beiden Armen fest, meine kostbare Fracht
Und der rostige Strichacht würde für ihn noch einmal jung
Und trüg ihn heim wie eine Sänfte aus 1000 und 1 Nacht.
Ich wollte für immer warten vor der lausigen Bahnstation.“

Der Abend endete dann aber zum Glück bei voller Beleuchtung, da ich dann noch ein kleines Video drehen konnte: Ein ganzer Saal, der mit Reinhard Mey „Gute Nacht, Freunde“ singt. Wunderschön und sehr emotional. Und so hoffe ich nur, dass es nicht das letzte Konzert von und mit „Il Maestro“ war. Schließlich feiert dieser kleine, alte Mann am 21. Dezember seinen Geburtstag zum 72. Mal.